Die ersten Eindrücke Indiens – Mumbai (Maharashtra)

02.01.14
Am 2. Januar war es soweit. Wir sind nach Indien geflogen. Unser Flug verlief reibungslos. Lediglich ein paar zusätzliche Schleifen mussten wir fliegen. Dafür gab es aber grandiose Ausblicke auf tiefe Schluchten.

In Mumbai gelandet, nahmen wir uns ein Prepaid-Taxi in den Stadtteil Colaba. Di e Strecke dorthin beträgt lediglich 24 Kilometer. Wir brauchten aber über 2 Stunden im Feierabendverkehr. Das war bereits die erste große Prüfung. Chaotischer Verkehr, Hupkonzerte, eine Affenhitze und neugierige Blicke von allen Seiten. Wir fielen danach todmüde ins Bett.

03.01.14
Ausgestattet mit unserem Reiseführer machten wir uns auf den Weg die Stadt zu erkunden. Zuerst buchten wir eine Tour für den Tag danach. Anschließend wollten wir das Hotel Taj Mahal Palace besichtigen. Es war mehr als anstrengend! Gerade als Frau wird man von allen Seiten angestarrt, obwohl Katharina eine lange Hose, T-Shirt und Schal um die Schultern trug. Das Gefühl dabei kann man gar nicht beschreiben. Durch die Geschehnisse in den Medien wird man, auch wenn man es eigentlich gar nicht möchte, doch ein wenig beeinflusst. Auch die Bettler sind ganz anders als in Südostasien. Hier läuft man uns hinterher, hält uns schon fast fest. Daneben gibt es unzählige Menschen, die einem Glück wünschen wollen  – natürlich gegen Geld. Selbst mit ignorieren versuchen diese, ihre Glücksbringer einem regelrecht in die Hand zu drücken. Als wir unseren Foto ausgepackt haben, kamen ein paar junge Inder zu uns und wollten ein Foto machen, mit unserer Kamera. Sie haben schon sehr komisch gelacht, wir sind schnell weiter. Eigentlich wollten wir noch das Gateway of India anscheinen, beließen es aber bei einem Blick aus der Ferne. Danach sind wir in`s Starbucks Cafe geflüchtet. Es war uns für den Anfang dann doch ein wenig zu viel. Vielleicht müssen wir auch erst richtig in Indien ankommen.

 

04.01.14
Bereits in der Früh machten wir uns auf zur Bahnstation Churchgate. Dort trafen wir uns mit einem Guide von Reality Tours and Travel. Wir fuhren gemeinsam mit dem Zug zum Slum Dharavi. Die Züge hier haben keine Türen, die Menschen stehen dicht an dicht gedrängt. In den normalen Waggons saßen so gut wie keine Frauen. Für sie gibt es extra Waggons. In Dharavi angekommen bekamen wir eine 2,5 stündige Führung durch den mit 1,75 km² größten Slum Asiens bzw. den drittgrößten Slum der Welt. Es ist wie eine Stadt in der Stadt. Es gibt eine Schule, Geldautomaten, Bars,…. Das besondere hier ist, dass eine Vielzahl an Unternehmen/Betrieben angesiedelt ist. Angeblich sind es über 10.000 mit einem Umsatz von jährlich 665 Millionen USD. Es wird Plastik aus aller Welt wiederverwertet, Aluminium geschmolzen, Papier recycelt, Leder verarbeitet, Tontöpfe hergestellt, Handtaschen, Schuhe und sonstige Dinge für die Modeindustrie und die einheimischen Märkte gefertigt. Der größte Teil der hergestellten Dinge wird in alle Welt exportiert. Deshalb ist Dharavi auch kein Slum, wie man sich einen eigentlichen Slum vorstellt. Die indische Bezeichnung für Slum bedeutet, dass es sich um Häuser handelt, die auf Staatsgrund errichtet wurden. Den Menschen wurden kostenlose Appartements angeboten, wenn sie aus dem Slum wegziehen. Das will aber keiner, da sie dann ihre Jobs verlieren würden. Auch die Gemeinschaft ist ihnen sehr wichtig. Über 55 % der Bevölkerung in Mumbai lebt in Slums. Es gibt etwa 2000 verschiedene. Nur ein Bruchteil davon hat Zugang zu Wasser und Strom. Im Dharavi Slum haben die Menschen fließend Wasser und Strom. Dennoch sind die Verhältnisse sehr arm: Kleine Wohnungen, die keine Privatsphäre zulassen, Dreck und Abwasser ringsherum und die Abgase aus den ganzen Fabriken. Private Toiletten gibt es nicht. Auf 1400 Bewohner kommt eine öffentliche Toilette. Die Führung hat uns einen guten Überblick verschaffen. Einerseits die wirklich armen Verhältnisse, andererseits war jeder den wir gesehen haben, mit Arbeit beschäftigt. Fotografieren war nicht erlaubt. Wir bekommen aber noch Bilder von Reality Tours and Travel. Diese Agentur können wir übrigens nur weiterempfehlen. Die Einnahmen durch die Touren fließen zum größten Teil in soziale Projekte des Slums, wir Computer- und Ernährungskurse. Die Durchführung hat uns auch sehr gut gefallen, es war sehr angenehm und man kam sich nicht fehl am Platz vor (wie die neugierigen Besucher).

Danach sind wir mit der Bahn bis zur Mahalaxmi Station gefahren. Keine 2 Minuten Fußmarsch entfernt liegt das Mahalaxmi Dhobi Ghat. Hier wird die gesamte Wäsche Mumbai`s gewaschen und getrocknet. In das Viertel selbst kann man nicht hinein, man hat allerdings einen tollen Überblick von der Brücke aus.

Eine weitere Besonderheit für Mumbai sind die etwa 5000 dabba-whallas (dabba bedeutet Essensbehälter). Diese Menschen liefern tagtäglich über 200.000 Mittagsessen in der Stadt aus. Immer pünktlich, bei jedem Wetter. Die Essen werden entweder zuhause bei der Ehefrau oder auch in Restaurants abgeholt und auf dem Kopf, mit dem Fahrrad oder Zug zu einer Sortierstation gebracht. Dort werden sie anhand von Farb- und Zahlenkennzeichnungen weiterverteilt. Es gibt lediglich ein falsch geliefertes Essen unter 6.000.000!

Viele Gebäude in Mumbai sind auch architektonisch sehr beeindruckend. So zum Beispiel das Gericht (neo Gothik) oder auch die Universität (French Gothik). Beides konnten wir auf dem Rückweg von der Bahnstation noch bewundern.

 

Alle Bilder aus dem Dharavi Slum stammen von Reality Gives.

One Response to Die ersten Eindrücke Indiens – Mumbai (Maharashtra)

  1. Helmut sagt:

    Hallo ihr zwei Lieben,
    ist ja schon wieder sehr spannend von Euch zu lesen. Und wie immer, mit tollen Bildern.Berichten….. Ich kann mir dies so gar nicht vorstellen, so auf engstem Raum zu leben und arbeiten….Indien ist schon etwas besonderes.
    Passt auf euch auf, liebe Grüße
    Helmut

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